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Wo es schmerzt, da greift man hin !!! (11)
erstellt am 06.12.2008 von wolf


WORTE DES MONATS von MONSIGNORE M. STIMMLER:
Georg Baselitz bezeichnete einmal
den Künstler als ein prinzipiell
asoziales Wesen. Joseph Beuys
wiederum erklärte, dass jeder
Mensch ein Künstler sei. Die
Zusammenlegung beider Thesen hat
etwas Erheiterndes. (PM Hoffmann)


In seiner heutigen Sitzung hat der Bundestag beschlossen, ab nächstem Jahr das traditionelle Fest „St. Martin“ aufgrund seiner verfassungsfeindlichen Tendenzen zu verbieten und durch neue Feierlichkeiten namens „St. Aufschwung“ zu ersetzen. Die „Durchtrennung des schönen Offiziersmantels um diesen unnützen Penner vor dem Erfrieren zu retten“ gebe der Jugend ein schlechtes Beispiel, so der Vorsitzende der Jungen Union, Hartmut Pecunia, im Interview mit der Zeitschrift „Capital“. Der „völlig haltlose Irrglaube, dass Teilen etwas Gutes sei“ müsse endlich überwunden werden – auch um großen Schaden von der deutschen Volkswirtschaft abzuwenden. So würden durch Sozialtransfers letzten Ende nur Produktionszweige unterstützt, die der Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands auf dem Weltmarkt „überhaupt nichts bringen“ würden. Als Beispiele nannte der Politiker die Produktion von billigem Alkohol, billigem Essen und billiger Kleidung. „Zum größten Teil Importprodukte aus China“ seien dies, die so auch noch aus deutschen Steuergeldern finanziert würden.

Bereits vor einem halben Jahr hatte der Bildungs- und Kulturausschuss des Bundestages begonnen, sich mit der Gestaltung des neuen Festes zu befassen. So konnte unmittelbar nach dem heutigen Beschluss ein fertiges Konzept vorgelegt werden, das zahlreiche Elemente aus Erziehungs-, Sozial- und Wirtschaftswissenschaften umfasst. Der Höhepunkt des St. Aufschwung-Festes wird demnach in der symbolischen Wegrationalisierung eines Arbeitsplatzes durch den mit Rechenschieber und Sense augestatteten Namenspatron bestehen. Dabei sollen auch Elemente des traditionellen St. Martin- Festes erhalten werden: Der frischgebackene Arbeitslose soll anschließend vorbeiflanierende Passanten anbetteln und dann von zwei „Schwarzen Sherriffs“ des Ordnungsamtes abgeführt werden. Die Kinder dürfen ihn dabei anspucken, treten und mit Steinen bewerfen. „Damit würde in jedem deutschen Ortsteil für den November ein Ein-Euro-Job entstehen“, so der Vorsitzende des Caritas-Landesverbandes NRW, Gottlieb Halo. Damit habe das neue Fest „auch eine gewisse soziale Komponente“. Der Zustimmung der Kirchen stehe damit prinzipiell nichts im Weg, zumal der christliche Bezug auch im Namen des neuen Festes bestehen bleibe.

Um den Kleinen eine Freude zu bereiten, werden nach der Vertreibung des Arbeitslosen und dem Feuerwerk, kleine St. Aufschwung-Tüten verteilt, in denen sich einige Schokotaler, ein Karriereplaner und ein kindgerechter Elektroschocker zum Abwehren aggressiver Bettler befinden.

Für die Anpassung des traditionellen Liedgutes an den neuen Inhalt konnte der beliebte niederländische Star Rupp Kleesters gewonnen werden, dessen erster Vorschlag („bald bin ich 150 Jahre alt“) zwar abgelehnt wurde, der aber dann mit „St. Aufschwung kommt in unser Land, der Rest der Welt ist abgebrannt“ einen Volltreffer landete. Ein gesetzlicher Feiertag soll St. Aufschwung jedoch nicht werden. „Das wäre ja noch schöner“, kommentierte Pecunia unter allgemeinem Gelächter im Bundestagsplenum diese Frage der Opposition.
MONSIGNORE M. STIMMLER

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