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Wo es schmerzt, da greift man hin !!! (12)
erstellt am 19.08.2009 von großmutter futziwolf


WORTE DES MONATS von MONSIGNORE ASTROLABIUS:

BERICHTE AUS DEM WAHREN LEBEN (TEIL I)
von Genosse Astrolabius

Der rasante Abschwung der Wirtschaft hat bekanntlich große Teile der deutschen Unternehmenslandschaft schmerzhaft getroffen. Dass aber auch in Zeiten der Krise durchaus Spielraum für intelligente und zukunftsweisende Investitionen besteht, macht Leo Trobowski, Inhaber eines kleinen Familienbetriebes in der Lausitz, vor. Trobowski, bisher Produzent für Fahrradersatzteile, hat angesichts düsterer Zukunftsaussichten seine Produktion komplett umgestellt, auf der Basis „historisch fundierter Spekulation“, wie er selbst sagt. In der Tat ist die neue Produktpalette eher ungewöhnlich: „Exekutionsinstrumente mit Publikumswirkung“, kurz EXEPU, stellt Trobowskis Firma seit zwei Wochen her, „zur Zeit selbstverständlich nur auf Lager“. Aber, so Trobowksi, es werde gewiss nicht mehr lange dauern, bis man gewissen Leuten „den Garaus machen“ wolle. So sei die Guillotine vom Typ „Beckermann“ mit Aufhängung in der Form eines Victory-Zeichens nicht zufällig so benannt, verrät der sympathische Unternehmer mit einem Augenzwinkern. Den praktischen Fünfergalgen, bewusst in schlichtem Design gehalten, hat Trobowksi ebenso geistreich wie humorvoll „Hängepartie an der Börse“ getauft. Das Glanzstück seiner neuen Produktpalette, dessen Prototyp wir exklusiv bewundern durften, ist jedoch sicherlich der multiple elektrische Stuhl vom Typ „Vorstandssitzung“, auf dem bis zu zehn Hinrichtungen gleichzeitig stattfinden können. Die Hälfte der Stühle ist auch für beleibtere Delinquenten geeignet: „Wir haben uns bei der Sitzbreitenabmessung an der First-Class großer Airlines orientiert“, erklärt der junge Familienvater, dessen kleine Tochter gleichzeitig fasziniert mit einer Miniaturausgabe der „Beckermann“- Guillotine spielt. Den neugierigen Blick des Reporters deutet die kleine Sarah richtig: „Für die Leute“, erklärt sie uns mit großen Kinderaugen. „Selbstverständlich“ sei auch an Souvenirs gedacht worden, die bei den Großereignissen an Schaulustige verkauft werden könnten, ergänzt ihr Vater stolz.

Auch bei der Produktion selbst hat EXEPU die Zeichen der Zeit erkannt und setzt strikt auf Umweltverträglichkeit: Die Stricke sind aus ökologisch angebautem Hanf gefertigt, der Stahl aus heimischer Produktion, um beim Transport nicht so viel Kohlendioxid auszustoßen. „Vorstandssitzung“ ist gar mit eigenen Solarkollektoren ausgestattet, die „im Hinblick Effizienz und Effektivität dem neuesten Stand der Forschung“ entsprechen, wie Trobowski versichert.
Auf die Frage, ob ihm das finanzielle Risiko angesichts der unklaren Zukunftsaussichten nicht zu groß sei, schüttelt er entschieden den Kopf: Laut neuesten Umfragen liege die FDP bei fast 15 Prozent, „mehr muss ich dazu ja wohl nicht sagen.“ Was Trobowski selber wählt, will er uns zwar nicht erzählen, aber wir können es wohl ahnen: „Dreimal dürfen Sie raten“, lacht der Unternehmer herzlich in unsere Kamera.

Genosse Astrolabius meint: Schön, dass es auch in schweren Zeiten Menschen gibt, die den Mut nicht verlieren und mit Ideenreichtum ihr eigenes Schicksal entschlossen in beide Hände nehmen!

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