h.c. hoppe
 
 

Rheinische Post vom 10.04.2004
 

Wind und Wetter haben den Stein mit Grünspan überzogen, ein zarter Efeuzweig hat festen Halt an dem mächtigen Block gefunden. Er ist über zwei Meter hoch und breit und wiegt um die 2,5 Tonnen. „Das ist Reinhardsdorfer Sandstein aus Pirna“, erklärt Hans-Christoph Hoppe. Vor Jahren hat er ihn mit einem Freund in einem ostdeutschen Steinbruch ausgesucht und per Tieflader nach Schermbeck bringen lassen. Seitdem steht er hinter dem ehemaligen Bauernhof am Logsteenweg, in dem Hoppe Wohnt.

Der gebürtige Weseler ist ausgebildeter Steinbildhauer, arbeitete von 1982 bis 2000 in den Dombauhütten Wesel und Xanten und ist seit 2001 als Bildhauer in der Kölner Dombauhütte beschäftigt. Jeden Tag fährt H.C. Hoppe mit dem Zug zur Arbeit und stellt Modelle für den Dom her, die dann in Stein gehauen werden – von ihm selbst oder anderen. Derzeit arbeitet er an einer 1,70 Meter hohen Figur des heiligen Pantaleon. Der Allerbarmer ist Patron der Kranken, Hebammen und Ärzte sowie Helfer gegen Kopfweh. „Ihm wurden die Hände auf den Kopf genagelt, dann schlug man ihm den Kopf ab“, weiß Hoppe. „Die Legende erzählt, dass Milch statt Blut floss“.

Warum greift jemand, der als Bildhauer arbeitet, auch in seiner Freizeit zu Hammer und Meißel? „das ist ein Ausgleich für mich“, versichert Hoppe. „Da kann ich mich freier entfalten.“ In mehreren viel beachteten Ausstellungen hat Hoppe das seit 1997 bewiesen. Zu handwerklichem Geschick kommt eine besondere Gabe, die dem 38-Jährigen mitgegeben ist: „Ich sehe sofort, was in einem Stein drinsteckt.“ Zum Beispiel ein Gesicht. „Ich muss dann die Form befreien“, sagt Hoppe. „Das ist ein geistiger und körperlicher Kampf.“ Der Stein leistet dem Künstler Widerstand, ist zäh, hart und spröde. „Der Stein ist nicht tot“ erklärt Hoppe.

Meistens arbeit er mit Hammer und Meißel am Stein, manchmal auch mit Pressluft. Hoppe macht keine Skizzen auf Papier, zeichnet nur auf dem Stein an, damit die Proportionen stimmen. „Ich muss vorausdenken, weil nichts zu reparieren ist. Was weggeschlagen ist, ist weg“

Respekt vor dem Material
Der Künstler hat Respekt vor seinem Material, “vor seiner Härte und seinem Geruch“. Die Ruhe, die ein Stein ausstrahlt, spricht Hoppe an. „Ich wäre gern innerlich ruhiger“, bekennt er. Über sich nachdenken, das eigene Tun und Denken in Frage stellen – das gehöre zur Einsamkeit des Bildhauers, erklärt Hoppe. Er erkennt in seinen Werken „die Tendenz zum Kopf“. Seine steinernen Gesichter erscheinen suchend, nachdenklich, zerrissen. Arbeitsspuren im behauenen Stein sind ihm sehr wichtig, denn sie drücken etwas aus von ihm.

Wandlung und Unsterblichkeit als übergeordnetes Prinzip
„Die Köpfe und Figuren tragen Schicksalsspuren der Menschheit – Die Tragik des Lebens vom Aufbruch ins Licht bis zum Einswerden mit der Nacht. Der Ruf des Hoffens und das Schweigen des Scheiterns. Geburt und Tod als ewige Wiederkehr – dieses Walten der Schöpfung zeigen uns seine steinernen Male.“ So schrieb RP-Mitarbeiterin Hanne Buschmann in einer Broschüre über Hoppes Skulpturen.

In letzter Zeit hat der Bildhauer einige Köpfe aus Ton geformt. Sie werden mit Eisenoxyd begossen und in offenem Feuer gebrannt.
Stein bleibt Hoppes bevorzugtes Material. Der reizt ihn permanent seiner schier unbegrenzten Möglichkeiten wegen.























erstellt am 30.08.2007